Schlager des 15. Jahrhunderts und Landsknechtständchen
Konzert "Tanzen und Springen" beim Mittelalterfest: vox-nova-Chor und "musica cumpanaia" begeisterten die zahlreichen Zuhörer
Arnstorf (cm).Mit einemStreifzug durch die musikalische Welt des Mittelalters eine Pause vom lauten Spektakel "draußen" den Besuchern zu bieten - das hatten sich der vox-nova-Chor Arnstorf unter Leitung von Dr. Thomas Pröckl und die Gruppe "musica cumpanaia" mit ihrem Konzert am Sonntagnachmittag zum Ziel gesetzt.
Dass dieses Vorhaben vollends gelungen ist, zeigte der frenetische Schlussapplaus, mit dem sich die große Zuhörerschar im überfüllten Renaissancehof des Oberen Schlosses bei den Sängern und Instrumentalisten für den Kunstgenuss bedankten.
Das Auftaktlied "Tanzen und Springen", von Hans Leo Hassler aus "Lustgarten neuer teutscher Gesäng", erschienen 1601, hatte dem "Kontrastprogramm" den Namen gegeben. Danach intonierte der Chor "Wacht auf, ihr schönen Vögelein" nach einer Melodie eines unbekannten Meisters und einem Text von Friedrich von Spee (1591-1635). Weiter ging die musikalische Reise mit "Liebliche Musik, ein freundlicher Blick und guter, frischer Wein", von Daniel Friderici mit Noten versehen. Mit "El grillo" von Josquin Desprez entführten die Sänger in die "Schlagerszene" des 15. Jahrhunderts, gefolgt von dem Landsknechtslied "Stampete mi" (Georg Forster, 1540) und einer wehmütigen Hommage an Innsbruck aus der Feder von Heinrich Isaak, einem der bekanntesten Chormusikkomponisten seiner Zeit. Mit den Liedern "Wohin soll ich mich hinkehren" und "Jungfrau, dein schön Gestalt" zeigte die renommierte Singgemeinschaft einmal mehr ihr großes Können, ebenso bei "come again" von John Dowland, auch gesungen in Originalsprache wie das Landsknechtständchen vom herzallerliebsten Mädchen – "Matona mia cara" von Orlando di Lasso.
Zwischen den Darbietungen von vox-nova begeisterten Katharina Etzel, Andrea Kaltenecker, Veronika Keglmaier, Josef Gorzawski und Claudia Schwinghammer von "Musica Cumpanaia" mit Gesang und feinen Tönen von Flöten, Fidel, Tenorpause und Schlagwerk. Mit "La dansede cleves", "Che ti zova", "S’on me regard", "Rostiboli" und "Oime lasso" hatte die Gruppe aus Landshut Werke französischer und italienischer Kompositionen aus der Zeit des Mittelalters mitgebracht.
Wider die irdischen Begierden:
Pfarrer liest dem Volk die Leviten
"Evangelische Warheit" bei mittelalterlichem Gottesdienst vorgetragen
Arnstorf (cm). Ein Festgottesdienst gehört ebenso zum Mittelalterfest wie Gauklerspektakel und Lagerleben.
"Die Gemäuer unserer im Jahr 1477 errichteten Pfarrkirche können sich an die Gewänder erinnern, die Sie heute tragen und die ein Bild wiedergeben von damals, alles aber wird von Gott über Zeit und Ewigkeit gelenkt." So begrüßte Pfarrer Gerhard Auer die vielen Besucher, die sich größtenteils in mittelalterlicher Kleidung dazu eingefunden hatten.
Für seine Predigt hatte Pfarrer Auer zum Tagesevangelium nach Lukas von den Menschenfischern einen Text des Jesuitenpaters Conradum Purselt ausgesucht, abgedruckt im Buch "Evangelische Warheit" aus dem Jahr 1707.
Die ganze Länge der Ansprache von eineinhalb Stunden mutete der Priester den aufmerksamen Zuhörern freilich nicht zu. "O glückseelig diejenigen, so gefangen werden und ihnen selbst absterben, damit sie Christo leben in einem neuen Leben!" So die Botschaft von Conradum Purselt, der die eigentlich recht friedliche Erzählung über die "Fischals erste Christen, welche auf den Befehl Christi von den Apostelen seynd gefangen worden", nutzte, um die Menschen zur Räson zu rufen, "die tanzen und springen in alle Höh bey ihrem zusammengerafften Silber und Gold, Gut und Geld, Reichtum und Überfluß, wie die Fisch bey dem schönen Sonn- und Mond-Schein". "Die Menschen schwimmen und laichen bald mit Ledigen, bald mit Verheyrathen, bald mit Geistlichen, bald mit Weltlichen, sie gehen ihren Gelüsten nach wie die Fisch im Wasser", verurteilte er die Zustände. Daher verlangte der, "den Willen und Meynung Gottes" anzusehen, denn dessen Wort habe es an sich, "dass es den Menschen gewaltig antreibe zur Abtötung der irdischen Begierden und fleischlichen Lebens."
Ganz der Zeitreise Arnstorfs in diesen Tagen angepasst, umrahmten der Kirchenchor Mariakirchen und die Choralschola unter Leitung von Max Weber und Claudia Hargasser an der Orgel die Messe. Zu Gehör kam die brillante Aufführung der "Missa in G" von G. B. Casali (1715-1792) und gregorianischem Choral. Ihnen galt der herzliche Beifall und Dank ebenso wie der Gruppe "Musica cumpaneia" aus Landshut, die mit Instrumental- und Vocalmusik genau so begeisterten.
Nur wenige Zuhörer gehen auf eine musikalische Reise ins Mittelalter
Schlosskonzert: Wechsel des Aufführungsorts vergrault Publikum
Arnstorf (cm) "Operation gelungen – Patient tot".
Es mag zwar etwas flapsig klingen, mit dieser Formel das Konzert der "Capella Antiqua Bambergensis" im Rahmen des Mittelalterfestes zu beschreiben, aber der Satz trifft genau des Pudels Kern. "Gelungene Operation" steht in diesem Fall für die vollends gelungene Darstellung der Klangvielfalt mittelalterlicher Instrumente mit Werken von Tilmann Susato, Alfonso el Sabio, Giorgio Mainerio, Guillaume de Mauchant, Cancionero de la Colombina und unbekannter Komponisten.
Sehr gelungen waren auch die Geschichten zu Minnegesang und Feier-Tagen mit Tanz und Spiel sowie die Vorstellung von Krummhorn, Harfe, Schalmai, Dulcima oder Gemshorn, dem süßesten und stillsten Blasinstrument.
Der "tote Patient" ist das Konzert selbst. Grund dafür war vor allem die unglückliche Entscheidung von Ensembleleiter Professor Dr. Wolfgang Spindler, kurzfristig wegen des seiner Meinung nach hohen Regenrisikos anstelle des offenen Renaissancehofes im Oberen Schloss die Pfarrkirche als Ort für das Konzert durchzusetzen. Dies war eine Sache, die selbst eingefleischte Liebhaber der Arnstorfer Schlosskonzerte, der Capella Antiqua und ihrer Musik nicht nachvollziehen konnten und wollten. Und so fanden sowohl das Familienkonzert am Samstagnachmittag wie auch das "Schlosskonzert" am Abend des Tages fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Schade um ein Musikerlebnis und schade für einen Teil des Mittelalterfestes.