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Annäherung an schwierigen Bayern

Michael Lerchenberg begeisterte mit Lesung aus Werken von Ludwig Thoma

 

Lerchenberg und die Formation "eberwein" mit Marlene Eberwein an der Konzertharfe, Max Seefelder (Kontrabass), Stefan Lang (Rhythmus, Trompete) und Matthias Klimmer als Klarinettenvirtuose setzten bei der Lesung die passenden musikalischen Akzente (Foto: Machtl)

Wer kennt sie nicht, die Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma, die in den 60er Jahren mit Schauspielern wie Hansi Kraus in der Rolle des Ludwig, Käthe Braun als seine Mutter oder Elisabeth Flickenschildt als Tante Frieda verfilmt wurden und an den Kinokassen für Schlangen sorgten. Diese Geschichten vermitteln den Zuschauern den Eindruck eines humorvollen und freundlichen „Vaters“ als Autor, der Ludwig Thoma zeit seines Lebens freilich nicht gewesen ist. Die Beweise dafür lieferte Michael Lerchenberg bei seiner Lesung im des Kulturzentrums im Untern Schloss (KUS). Der Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Intendant nahm die Besucher im vollbesetzten Kutschenreuter-Saal mit in das Leben und Schaffen des 1867 geborenen Schriftstellers, der als wohl größter Literat Bayerns zwischen Königreich und Weimarer Republik gilt. „Ein sehr fleißiger Autor, dessen Gesamtausgabe – falls es sie gäbe – so zwischen 80 Zentimeter und einem Meter Breite im Bücherregal beanspruchen würde“, erzählte Lerchenberg. Und auch, dass die Lausbubengeschichten, vom damals 17-jährigen Thoma zu Papier gebracht, ein Vermächtnis für seine Mutter gewesen sei, „so wie er sie gerne gehabt hätte, denn sie war in Wirklichkeit immer unzufrieden mit dem Sohn.“ Mit einer Tante-Frieda-Episode begann Lerchenberg auch seine Lesung, lief dabei schon zur Hochform auf und ließ per trefflicher Stimmen-Nachahmung der Darsteller im Film Bilder vor den Augen der Zuhörer entstehen. Beim  Streifzug durch das Leben Thomas mit autobiografischen Skizzen aus seiner Referendarzeit und Geschichten aus der Zeit als Chefredakteur der satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus entwarf Lerchenberg das Porträt eines wortgewaltigen Satirikers, brillanten Dramatikers, aber auch Schürzenjägers und Chauvinisten – also eines Mannes voller Widersprüche, dessen allzu spitze Feder ihm 1906 eine mehrwöchige Haftstrafe wegen Beleidigung eingebracht hat. Michael Lerchenberg gelang es bestens, die hellen und dunklen Seiten dieses „schwierigen Bayern“ und seine meisterliche Sprachbegabung darzustellen – bei Ausschnitten aus Komödien und Tragödien, aus Briefwechsel, die sein Leben dokumentieren wie auch bei dem wohl bekanntesten Versen „Und im Woid is so stad“ aus der „Heiligen Nacht“, die 1917 entstanden und eine Würdigung für die Gottesmutter ist. Der minutenlange Beifall und Bravo-Rufe am Ende eines ebenso amüsanten wie spannenden Abends galt Michael Lerchenberg ebenso wie der Formation „eberwein“, bei der Harfenistin Marlene Eberwein, Matthias Klimmer (Klarinette), Max Seefelder (Kontrabass) und Stefan Lang (Rhythmus, Trompete) musikalische Akzente setzten.     

(Quelle: RA vom 12.10.2017)